Am Feiertag, dem 1. Mai dieses Jahres, ging es für uns nach Oberstdorf. Dort wollten wir gemeinsam als Familie einen schönen Tag am verlängerten Wochenende verbringen.
Die Hinfahrt verlief reibungslos und schon bei der Ankunft war ich wirklich begeistert von der Schönheit und der Größe der umliegenden Berge. Auch das Dorf selbst hat bei unserem ersten kurzen Spaziergang eine Atmosphäre erzeugt, in der ich mich auf Anhieb wohlgefühlt habe.
Während mein Bruder mit meiner Mama eine große Wanderung durch die naheliegende Breitachklamm unternommen hat, bin ich mit meinem Papa auf Fototour gegangen, um das wirklich beeindruckende Bergpanorama einzufangen. Viele der Gipfel waren sogar noch schneebedeckt, bei uns unten im Tal war es aber schon ziemlich warm und außerdem sehr sonnig.
Am Nachmittag kamen die beiden anderen dann von ihrer Tour zurück, den Abend haben wir noch gemeinsam mit kleinen Gesellschaftsspielen und Unterhaltungen ausklingen lassen, dann ging es auch schon wieder nach Hause.
Es war ein kleiner spontaner Ausflug in die Berge, für mich hatte er aber eine wirklich große Bedeutung. Vor allem weil sich mein gesundheitlicher Zustand in den letzten Monaten so rapide verschlechtert hat und dadurch mein Alltag (oder eigentlich mein gesamtes Leben) völlig kopfsteht, hat es mir wirklich gutgetan, endlich mal wieder rauszukommen und etwas zu erleben. Einmal zu versuchen aus dem ganzen Mist zu entfliehen, der sonst allgegenwärtig ist.
Trotzdem muss ich zugeben, dass mir der Tag nicht sonderlich leichtgefallen ist. Denn auch wenn ich glücklich bin dabei gewesen zu sein, körperlich ging es mir trotzdem nicht gut. Ich wäre wirklich gerne auch in der Breitachklamm wandern gegangen oder mit der Sommerrodelbahn gefahren. Mein Körper macht solche Aktivitäten allerdings nicht mit. Umso schwieriger war es dann zwischen all den Sportgeschäften und glücklichen Wanderern spazieren zu gehen, die das ganze Dorf ausgefüllt haben. Und umso schwieriger war es auch, all die Berge zu bestaunen, die ich in meinem Zustand aktuell nicht besteigen kann. Denn schon seit meiner Kindheit liebe ich das Wandern und habe nahezu jeden Sommerurlaub in den Alpen verbracht.
Auch was das Essen anging, war der Tag definitiv nicht einfach. Schon lange hatte ich nicht mehr so schlimme Symptome wie in Oberstdorf. Das Mittagessen habe ich gar nicht vertragen, mir lag gefühlt ein schwerer Stein im Magen und ich hatte ein extremes Völlegefühl. Aber auch hier sieht man, während ich diese Symptome habe, all die Restaurants, Eisdielen und Cafés, in denen Menschen sitzen und Speisen genießen, die ich nicht essen kann, die ich aber eigentlich so unfassbar gerne essen würde.
Es war im ersten Moment wirklich überwältigend all das zu sehen, weil es mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie sehr sich mein Leben im Vergleich zu dem Leben des glücklichen kleinen Mädchens im Wanderurlaub geändert hat, das ich früher war.
Mein Fazit für den Tag ist dennoch positiv und auch jetzt, wenn ich an ihn zurückdenke und diesen Beitrag schreibe, macht der Ausflug mich glücklich. Es war einfach ein Stück Normalität, die sonst inmitten der Krankheit manchmal verloren zu gehen scheint. Und auch wenn es mir definitiv körperlich nicht gut ging, hat es mir psychisch sehr gutgetan mal wieder etwas zu erleben. Deswegen konnte ich es auch genießen, Spaß mit meiner Familie haben und den Feiertag für etwas Schönes nutzen.
Dadurch hat der Tag mir auch etwas Kraft und Zuversicht gegeben. Denn auch wenn aktuell für mich noch keine wirksame Therapie gefunden wurde, habe ich trotzdem das feste Vertrauen darin, dass es mir nicht für immer so schlecht gehen wird wie jetzt. Ich werde auch einmal wieder diese Berge besteigen. Das wird mir die Gastroparese nicht nehmen können.
Ich wünsche euch, dass ihr immer wieder kleine Dinge finden könnt, die euch den Mut und die Kraft geben nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig ist. Der 1. Mai in Oberstdorf hat mir in der Hinsicht einen kleinen Anstoß gegeben. Und vielleicht konnte ich euch mit diesem Beitrag ja auch etwas kleines mitgeben. Denn jede Durststrecke wird einmal zu Ende gehen. 🙂


