In meinen Beiträgen bin ich bisher nahezu ausschließlich auf die Gefühle, Erfahrungen und Einschränkungen eingegangen, die ich aufgrund meiner Gastroparese erlebt habe und immer noch täglich spüre. Dabei habe ich aber noch gar nicht wirklich darüber geschrieben, um was es bei dieser Krankheit eigentlich genau geht.
Das habe ich zwar ganz bewusst getan – schließlich bin ich keine Ärztin, die mit voller Sicherheit alles über diese Erkrankung weiß – allerdings ist es meiner Meinung nach durchaus von Relevanz über die Krankheit zu berichten, da viele sie gar nicht kennen. Genau dafür ist der „Gastroparesis Awareness Month“ da, ein internationaler Aktionsmonat, während dem auf Gastroparese aufmerksam gemacht werden soll.
Ein paar Dinge, die ich über die Erkrankung erfahren habe, werde ich nun also für diejenigen hier schildern, die vielleicht noch nicht so genau über Gastroparese, die damit verbundenen Symptome, Diagnosewege und Behandlungen Bescheid wissen. Zusätzlich habe ich am Ende des Beitrags auch hilfreiche Internetseiten aufgelistet, die weitere Informationen bieten.
- Was ist Gastroparese und was sind die Ursachen?
Unter einer Gastroparese versteht man eine Magenentleerungsstörung. Normalerweise werden Nahrung und Flüssigkeiten von der Speiseröhre aus in den Magen, und von dort aus in den Dünndarm weitertransportiert. Bei einer Gastroparese ist dieser Prozess verlangsamt, in Extremfällen kommt er sogar komplett zum Erliegen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Eigenbewegung des Magens nicht richtig funktioniert, oder der Muskel am Magenausgang zu steif ist und diesen verschließt. Die häufigsten Ursachen davon sind schlecht eingestellter Diabetes oder vorangegangene Operationen am Verdauungstrakt. In manchen Fällen (wie bei mir) ist jedoch keine klare Ursache erkennbar. Dann spricht man von einer „idiopathischen“ Gastroparese.
2. Was sind die Symptome?
Die wahrscheinlich häufigsten Symptome der Erkrankung sind Übelkeit, ein außergewöhnlich früh einsetzendes, starkes und lang anhaltendes Völlegefühl, Bauchschmerzen und Erbrechen. Letzteres entsteht, wenn der Magen keine andere Möglichkeit hat sich zu entleeren als wieder nach oben. Außerdem kann es bei einer Gastroparese auch zu Sodbrennen, einem Blähbauch und (aufgrund der geringen Nahrungsaufnahme) zu einem starken Gewichtsverlust kommen.
3. Wie wird eine Gastroparese diagnostiziert?
Die Diagnose gestaltet sich in vielen Fällen leider schwierig und vor allem langwierig. Auch bei mir hat sie mehrere Jahre gedauert. Grund dafür ist, dass sich die Symptome nur wenig von anderen Erkrankungen des Verdauungssystems unterscheiden, beispielsweise einem Reizmagen. Der erste Schritt der Diagnostik nach einer gründlichen Anamnese ist dann jedoch meistens eine Magenspiegelung. Diese schließt bestimmte Erkrankungen (wie zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung) aus. Ist diese unauffällig, kann man mit Hilfe einer Magenentleerungsszintigraphie die Entleerungsdauer des Magens messen. Dafür isst man eine Testmahlzeit (bei mir Rührei mit Toast), die mit radioaktiven Substanzen versetzt wurde. Im Anschluss wird über mehrere Stunden durch eine spezielle Kamera überprüft, wo im Körper sich die Radioaktivität befindet. Danach kann man die gemessenen Werte mit Vergleichswerten gesunder Menschen abgleichen und ggf. die verzögerte Entleerung feststellen.
4. Wie wird eine Gastroparese behandelt?
Ist der Auslöser der Erkrankung bekannt (wie beispielsweise oben erwähnt: Diabetes), kann man die Gastroparese meist durch eine Behandlung der Ursache wieder eindämmen. Bei einer idiopathischen Gastroparese, gibt es viele Möglichkeiten. Oft hilft bereits eine Ernährungsumstellung auf weiche/breiige/flüssige Kost, die den Magen entlastet und besser weitertransportiert wird. Hilft das nicht, gibt es mehrere Medikamente und dann auch operative Eingriffe, die Abhilfe verschaffen können. Leider gibt es aber auch viele Menschen, denen auf diese Weise nicht geholfen werden kann. Diese werden dann künstlich über eine Sonde ernährt – entweder enteral (in den Dünndarm) oder parenteral (über den Blutkreislauf).
All diese Dinge sind lediglich die gröbsten Informationen über die Erkrankung, die ich jedoch trotzdem sehr wichtig finde zu teilen. Während dem Gastroparesis Awareness Month im August gibt es aber auch Organisationen, die in ihren Kampagnen weitaus mehr ins Detail gehen. Die Internetseiten findet ihr hier gelistet, auf ihnen könnt ihr noch deutlich genauere Infos zu der Erkrankung bekommen.
- Guts UK
- IFFGD
- About Gastroparesis
Zusätzlich würde ich mich sehr darüber freuen, wenn ihr selbst vielleicht auch in eurem Umfeld auf die Erkrankung aufmerksam machen könnt. Außerdem gibt es in den sozialen Medien unter #GastroparesisAwarenessMonth die Möglichkeit eure Geschichten, Erfahrungen oder auch einfach nur weitere Informationen über die Krankheit zu teilen.
Viele wissen gar nicht über Gastroparese Bescheid. Je mehr Menschen aber davon erfahren, desto schneller können hoffentlich in Zukunft Diagnosen gestellt werden, und desto weiter kann an Behandlungen geforscht werden. Deswegen ist jede einzelne Stimme, die auf die Erkrankung aufmerksam macht, von großer Bedeutung.

