Diese Sommerferien stand für mich eine ganz besondere Reise an – meine allererste Flugreise. Es ging für uns als Familie für eine Woche nach Großbritannien, genauer gesagt nach London. Auch wenn es mir gesundheitlich im Augenblick alles andere als gut geht, konnte ich es kaum erwarten, endlich abzufliegen. Je länger ich Zeit zu Hause verbracht habe, desto mehr ist mir tagtäglich schlichtweg die Decke auf den Kopf gefallen. Ich wollte einfach so sehr mal wieder aus diesem von der Krankheit geprägten Alltag ausbrechen und ein bisschen leben. So wie es früher selbstverständlich war.
Besonders die letzten Tage vor Abflug haben sich wirklich in die Länge gezogen, schlussendlich kam dann aber der Moment, an dem wir endlich losgefahren sind. Es sollte zwar ein Urlaub voller Herausforderungen und auch großer Anstrengung werden, trotzdem war die Zeit mit meiner Familie in London wirklich wunderschön und etwas ganz Besonderes.
Tag 1:
Schon um 03:30 Uhr mussten wir aufstehen, um rechtzeitig für unseren Flug am Flughafen zu sein. Ich war wirklich müde, aber gleichzeitig auch sehr aufgeregt – es war mein allererster Flug überhaupt. Ziemlich ungewohnt war es schon in der Luft zu sein, es lief jedoch alles nach Plan und wir sind sogar überpünktlich angekommen.
Nach einem Frühstück am Flughafen ging es dann zum Einchecken und Koffer Abgeben ins Hotel. Dieses lag in der Nähe vom Hyde Park, in dem wir uns erst einmal kurz auf eine Bank gesetzt haben, bevor wir in die Innenstadt aufgebrochen sind. Bereits an diesem ersten Tag haben wir uns die Houses of Parliament, die Horse Guards, Trafalgar Square und den Buckingham Palace mit dem St. James’s Park angeschaut. Dazwischen gab es noch ein leckeres Mittagessen in einem Restaurant, in dem ich mich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder an eine Pizza getraut habe. Pizza ist einfach mein absolutes Mittagessen, auch wenn ich sie leider nicht wirklich vertrage.

Ziemlich müde von diesem langen Tag haben wir im Anschluss nur noch belegte Sandwiches zum Abendessen in einem Supermarkt gekauft, die wir dann im Hyde Park gegessen haben. Dort haben wir den Abend noch ausklingen lassen, bevor es zurück ins Hotel ging.
Tag 2:
Vormittags haben wir uns für einen Besuch im British Museum entschieden. Die Schlange am Eingang war zwar recht lang, wir mussten allerdings nicht lange warten, bis wir wirklich hineingehen konnten. Das Museum ist recht groß und hat zahlreiche verschiedene Ausstellungen über Europa, Afrika, die Antike und vieles mehr. Besonders die japanische Abteilung hat mir sehr gut gefallen. Nach einer kurzen Pause in einem nahegelegenen Park sind wir im Anschluss in die British Library gegangen, deren Büchersammlung wirklich beeindruckend ist.

Zu Mittag gegessen haben wir in einem kleinen Restaurant in der Nähe, danach gab es noch Gebäck im Regent’s Park, bevor wir zu unserer geplanten Bootsfahrt auf der Themse aufgebrochen sind. Diese führte vom Westminster Pier bis nach Greenwich, vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Nochmal hatten wir einen guten Blick auf die Houses of Parliament, das London Eye, „The Shard“, den Tower of London und die Tower Bridge.
Abends war ich von dem anstrengenden Tag vollkommen ausgelaugt. Genau dann hatten wir Probleme mit unserer U-Bahn zurück ins Hotel, die aufgrund technischer Probleme nicht mehr zu unserer Haltestelle fahren konnte. Erst nach über einer Stunde, zahlreichen Umstiegen und Hin- und Her auf dem Bahnsteig haben wir es endlich zurückgeschafft.

Tag 3:
Eine lange U-Bahnfahrt brachte uns am Vormittag zum „Florin Court“, einem Haus, das als Drehort einer Serie dient, die wir sehr gerne anschauen. Danach sind wir wieder ein Stück weit zurückgefahren, um die Temple Church zu besichtigen – ebenfalls Drehort eines Filmes, den wir sehr mögen.
Mit einem der berühmten roten Doppeldeckerbusse sind wir im Anschluss zum Mittagessen zum Trafalgar Square zurückgefahren. Es war meine erste Fahrt in einem Doppeldecker und ich war total glücklich darüber, im oberen Stockwerk einen Sitzplatz bekommen zu haben. Leider war der Bus allerdings nicht klimatisiert, dementsprechend warm und stickig war es darin an diesem doch recht heißen Tag.
Nachmittags hatten wir eine Audio-Tour durch die Houses of Parliament gebucht. Es war wirklich toll, die aus dem Fernsehen bekannten Räume des Oberhauses live zu sehen, man hat durch die Audio-Guides aber auch zahlreiche spannende Dinge über die britische Politik erfahren. Ich finde es wirklich beeindruckend, wie bürgernah die dortige Politik gestaltet ist und wie sehr sie sich doch zu unserer hier in Deutschland unterscheidet.

Während dem Abendessen im Hyde Park haben wir dann noch zusammen mit zahlreichen anderen Menschen die Sonnenfinsternis beobachtet. Wir hatten dafür spezielle Brillen, über die ich mich sehr gefreut habe, weil auch dies meine erste Sonnenfinsternis war, die ich richtig angeschaut habe. Die Atmosphäre an diesem Abend war wirklich besonders schön.
Tag 4:
Unser vierter Tag in London begann mit einem Spaziergang durch Notting Hill, über den Notting Hill Market zum berühmten Buchladen aus dem gleichnamigen Film. Weil es an diesem Tag wirklich heiß war, sind wir im Anschluss zum Abkühlen in ein Einkaufszentrum gefahren, wo wir ein wenig durch die Geschäfte geschlendert sind und später auch japanisch zu Mittag gegessen haben.

Ebenfalls klimatisiert (leider aber auch sehr überfüllt) war danach „Madame Toussaud’s“, eines der weltweit bekannten Wachsmuseen. Ich fand es wirklich beeindruckend, wie gut die meisten der ausgestellten Persönlichkeiten getroffen waren. Außerdem war das Museum auch ein bisschen interaktiv gestaltet, sodass die Zeit dort wirklich schnell vergangen ist.
Für eine weitere kleine Pause sind wir im Anschluss nochmal in den Regent’s Park gelaufen, wo wir uns anschließend aufgeteilt haben. Für den einen Teil und mich ging es nach dem anstrengenden Tag zurück ins Hotel, für die anderen noch zum „Canary Wharf“. Zum Abendessen haben wir uns dann wieder in der Hotellobby getroffen.
Tag 5:
Dieses Mal haben wir uns über den Vormittag hinweg aufgeteilt. Für mich ging es mit meiner Mutter auf eine kleine Foto- und Souvenir-Tour in der Nähe von Westminster. Dabei haben wir auch die Ablösung bei den Horse Guards beobachten können, die wegen der Hitze früher stattgefunden hat als gewöhnlich. Auch wenn das kein richtiger Wachwechsel war, war es dennoch sehr spannend einen Teil dieser jahrhundertealte Tradition ansehen zu können.
Zu Mittag gegessen haben wir wieder alle zusammen in einem gemütlichen Pub mit typisch britischem Ambiente. Das Essen war wirklich lecker, weil der Betrieb allerdings sehr groß war, mussten wir recht lange warten.
Für den Nachmittag haben wir uns entschieden ins „Natural History Museum“ zu gehen. Eigentlich wäre es aber deutlich besser gewesen, dafür den ganzen Tag einzuplanen. Das Museum ist wirklich riesig und hat zahlreiche spannende Ausstellungen über die Geschichte der Erde, Evolution, Geographische Elemente (z.B. Plattentektonik), Dinosaurier, Säugetiere und noch vieles mehr. Besonders die Dimensionen der großen Skelette von Dinosauriern und bereits ausgestorbenen Säugetieren zu sehen, war wirklich beeindruckend.

Tag 6:
Den Vormittag über haben wir einen Spaziergang von der St. Paul’s Cathedral aus durch die City of London und an der Themse entlang gemacht. Weil es mir an diesem Tag gar nicht gut ging, gab es danach nur noch eine kleine Pause in einem Park, bevor wir nochmal ins Hotel zurückgefahren sind, um dort noch ein wenig länger auszuruhen.
Das war wirklich hilfreich, später sind wir nämlich noch zum Tower of London aufgebrochen, wo wir ebenfalls einen Audio-Guide hatten. Mit diesem hat man zahlreiche interessante Dinge über die Geschichte des Towers und das Leben dort erfahren. Und natürlich kamen wir auch ganz nah an die berühmten Kronjuwelen heran. Es war wirklich beeindruckend diese weltbekannten Schmuckstücke mit eigenen Augen zu sehen.

Tag 7:
Weil wir schon relativ früh wieder zurück zum Flughafen London Heathrow mussten, blieb uns nur noch Zeit für eine kleine Abschlussrunde in der Innenstadt. Ein letztes Mal kamen wir an den Houses of Parliament vorbei und haben uns auch noch das wirklich bewegende Corona Memorial auf der anderen Seite der Themse angeschaut. Das ist eine lange Mauer voller roter Herzen, die an Menschen erinnern, die am Corona-Virus verstorben sind.
Nachdem wir noch einmal beim Buckingham Palace waren und dort leider gerade einen richtigen Wachwechsel verpasst hatten, mussten wir schon wieder zurück zum Hotel, um unsere Koffer abzuholen.
Die Fahrt zum Flughafen verlief ohne Probleme und auch dort hat alles reibungslos geklappt. Ich war zwar nach wie vor sehr nervös vor dem Flug, als wir dann schlussendlich aber abgehoben sind, habe ich mich einfach nur noch gefreut über den Wolken zu sein. Kurz bevor wir wieder zu Hause gelandet sind, mussten wir wegen einem anderen Flugzeug auf der Landebahn nochmal durchstarten. Das war aber auch gar kein Problem und wir sind trotzdem noch vor der angekündigten Zeit wieder gelandet.

Der Urlaub war wirklich wunderschön. London einmal in der Realität zu sehen, all die Orte, die ich bereits aus zahlreichen Serien und den Nachrichten gekannt habe, war etwas ganz besonderes. Außerdem tat mir diese kleine „Flucht“ von zu Hause und aus diesem doch häufig von negativen Dingen geprägten Alltag sehr gut.
Trotzdem will ich aber nichts schönreden. Denn natürlich gab es auch im Urlaub viele Herausforderungen. Am liebsten hätte ich die Gastroparese und alle mit ihr verbundenen Probleme einfach nicht ins Flugzeug einsteigen lassen. Nur ist das leider nicht so einfach möglich. Ich habe mich zwar einige Dinge getraut, vor denen ich zu Hause immer zurückgeschreckt bin (z.B. Pizza oder süßes Gebäck am Frühstücksbuffet), aber die Symptome waren natürlich trotzdem da. Und mit ihnen auch die psychische Herausforderung.
Besonders belastend war für mich die immense körperliche Anstrengung. Zu Hause war ich es gewohnt täglich einen Spaziergang von maximal einer halben Stunde zu machen. In London waren wir stundenlang auf den Beinen und Sitzgelegenheiten für Pausen gab es nur wenige. Wir waren tatsächlich alle ziemlich erschrocken, wie wenige Bänke eigentlich in den von uns besuchten Parks standen und wie schwierig es dementsprechend war, Pausen machen zu können. Leider habe ich es aber trotz dieser vielen Bewegung nicht geschafft mehr zu essen als sonst. Daher war ich bestimmt die gesamte Woche lang mal wieder in einem ziemlichen Kalorien-Defizit, das schlussendlich auch mehrfach zu Schwindelattacken während dem Urlaub geführt hat. Seit wir nun wieder daheim sind, habe ich mich um ehrlich zu sein gar nicht getraut, mich auf die Waage zu stellen. Zu sehr würde mich der Gedanke stressen, wie weit mein Gewicht nun wieder gesunken ist und wie dringend ich eigentlich zunehmen müsste.
Trotz allem freue ich mich aber sehr über diese Reise. Es war eine wunderschöne Erfahrung und ich bin in jedem Fall auch erleichtert, dass ich die Anstrengungen besser weggesteckt habe, als ich es erwartet hätte. Wir haben den Großteil dessen geschafft, was wir uns für den Urlaub vorgenommen hatten und vor allem hatten wir eine tolle Zeit als Familie. Daran versuche ich immer zu denken und darüber freue ich mich sehr.
Auch wenn die Zeit gerade schwierig ist, gibt es doch immer mal wieder schöne und besondere Momente, die man so vielleicht eigentlich gar nicht für möglich gehalten hätte. 🙂

